Konzept der Mittelstufenschule


Wesentliche Merkmale der Mittelstufenschule

Individuelle Förderung in kleineren Lerngruppen

Die Rolle des Lehrers verändert sich: Ein Lehrer ist nicht mehr allein Wissensvermittler, sondern wird zum Lernbegleiter der Schüler. Dadurch kann eine bessere und individuelle Förderung erzielt werden. Die Kinder lernen nicht im „Gleichschritt“, stattdessen ermöglichen verschiedene Lernwege die bestmögliche Entwicklung der Kinder.

Fächerübergreifende Unterrichtsprinzipien

Die Schüler erwerben Lern- und Methodenkompetenzen sowie Schlüsselqualifikationen als Grundlage für eigenverantwortliches Arbeiten und lebenslanges Lernen. Der Erwerb dieser Fähigkeiten ist als Unterrichtsprinzip in allen Fächern verankert.

Praxis- und handlungsorientierter Unterricht auf Basis einer veränderten Stundentafel

Die Schüler lernen ganzheitliches durch die Bildung der Lernbereiche NaWi (Biologie, Physik und Chemie) und GL (Sozialkunde, Erdkunde und Geschichte). Methodenlernen, kompetenzorientiertes Lernen und Projekte werden in den alltäglichen Unterricht integriert. Unterrichtsinhalte werden mit den Erfahrungen der Kinder und dem Schüleralltag verknüpft.

Frühzeitige und intensive Einbindung der beruflichen Bildung

Unser Ziel ist, dass alle Jugendlichen den für sie höchstmöglichen Schulabschluss erreichen. Dabei ist die Anschlussorientierung der zentrale Aspekt der schulischen Arbeit. Deshalb sind einerseits eine umfassende Berufsorientierung und Förderung der Ausbildungsreife wesentliche Bestandteile des Konzepts, andererseits auch eine fundierte schulische Bildung mit dem Ziel nach dem Mittleren Abschluss eine weiterführende Schule zu besuchen, um das Abitur zu machen.

 

Der Aufbau und das Prinzip der Mittelstufenschule

Ein wesentliches Merkmal unserer schulischen Arbeit in der Mittelstufenschule stellt das soziale Lernen dar. Teamfähigkeit, demokratisches Miteinander und Toleranz sind Eckpfeiler unserer gemeinsamen Arbeit, Soziale Kompetenzen haben bei uns eine große Bedeutung, da sie die Basis für weitere Kompetenzbereiche bilden. Dabei werden wir intensiv durch den Schulsozialarbeiter unterstützt. Des Weiteren arbeiten wir mit dem Programm „Lions Quest – Erwachsen werden“.

In der sogenannten Aufbaustufe, welche die Jahrgänge 5-7 umfasst, werden die Kinder gemeinsam unterrichtet, egal ob sie im 4. Jahrgang für die Haupt- oder die Realschule empfohlen wurden. Die Kinder werden in den Klassenstufen 5/6 binnendifferenziert unterrichtet, d.h. gemeinsam in einer Klasse. Die Arbeiten werden in den Hauptfächern auf zwei Niveaustufen (Grundniveau und Erweiterungsniveau) geschrieben. In den Hauptfächern findet ab Klasse 7 eine Verkursung (Grundkurs/Erweiterungskurs) statt. Alle anderen Fächer werden weiterhin gemeinsam unterrichtet. Wichtig für die Mittelstufenschule ist auch die Bildung von Lernbereichen. Dazu wurden in den Jahrgängen 5-7 die Lernbereiche Naturwissenschaften und Gesellschaftslehre eingeführt. Der Lernbereich Naturwissenschaften besteht aus der Fächerkombination Biologie, Chemie und Physik, der Lernbereich Gesellschaftslehre aus den Fächern Erdkunde, Geschichte und Politik/Wirtschaft.  Die Lernbereiche ermöglichen ein ganzheitliches Lernen eines Themas aus der Sicht der Verschiedenen Teilbereiche.

Zusätzlich werden die Kinder bei uns im Rahmen des Förderunterricht gefordert und gefördert:  Wir bieten Förderunterricht für begabte Kinder und für Kinder mit Schwächen in den drei Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch an. Außerdem gibt es einen LRS-Kurs und weitere Deutsch-Fördermaßnahmen (DaZ) für Kinder mit einem Migrationshintergrund.

Erst am Ende der Jahrgangsstufe 7 entscheidet sich, ob ein Kind den mittleren Bildungsgang mit dem Ziel Realschulabschluss oder den praxisorientierten Bildungsgang mit dem Ziel Hauptschulabschluss ab Klasse 8 besuchen wird.  Den Übergang in den mittleren Bildungsgang muss die Klassenkonferenz befürworten.

Ab der 8. Klasse erhalten alle Schülerinnen und Schüler des praxisorientierten Bildungsganges sowie des mittleren Bildungsganges im Rahmen der Mittelstufenschule berufsbezogenen Unterricht (BBU).

 

Praxisorientierter Bildungsgang (Klasse 8/9)

Die Schülerinnen und Schüler des praxisorientierten Bildungsganges erhalten den gesamten berufsbezogenen Unterricht an der Elisabeth-Selbert-Schule. Dieser findet an einem Tag in der Woche statt.

In der Orientierungsphase (Klasse 8) bekommen sie einen Einblick in die Schwerpunkte Wirtschaft und Verwaltung, Mechatronik und Sozialwesen. In der Vertiefungsphase (Klasse 9) entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler für einen der angebotenen Bereiche an der Elisabeth-Selbert-Schule.

Nach dem (qualifizierten) Hauptschulabschluss:

  • Lehre
  • Mittlerer Abschluss an der zweijährigen Berufsfachschule (z.B. Elisabeth-Selbert-Schule in Lampertheim)
  • Mittlerer Abschluss an der Regelschule (z.B. Friedrich-Fröbel-Schule)
  • Hauptschuljahr

 

Mittlerer Bildungsgang (Klasse 8/9/10)

Die Schülerinnen und Schüler des mittleren Bildungsganges lernen in der Orientierungsphase (Klasse 8) an der Friedrich-Fröbel-Schule die zwei Schwerpunkte Ernährung/Gastronomie/Hauswirtschaft und Holztechnik sowie an der Elisabeth-Selbert-Schule die Schwerpunkte Wirtschaft/Verwaltung, Mechatronik und Sozialwesen kennen.

Die Vertiefungsphase (Klasse 9/10) in einem Schwerpunkt findet dann für die Schwerpunkte Ernährung/Gastronomie/Hauswirtschaft und Holztechnik an der Friedrich-Fröbel-Schule und für die Schwerpunkte Wirtschaft/Verwaltung, Mechatronik und Sozialwesen an der Elisabeth-Selbert-Schule statt.

 Nach dem (qualifizierten) Mittleren Abschluss (Realschulabschluss):

  • Lehre
  • Gymnasiale Oberstufe
  • Berufliches Gymnasium mit dem Ziel Abitur oder Fachhochschulreife
  • Wirtschaftsgymnasium
  • Höhere Handelsschule
  • Berufskolleg
  • Berufsfachschule mit dem Ziel Fachabitur etc.

 

Geschichte:

Im August 2011 sind wir als projektierte Mittelstufenschule mit drei 5. Klassen erfolgreich gestartet: 2014 stand dann die erste große Veränderung an. Die Schülerinnen und Schüler wurden ihrem damaligen Leistungsstand entsprechen in den Praxisorientierten Bildungsgang (Ziel: Hauptschulabschluss) und in den mittleren Bildungsgang (Ziel: Realschulabschluss) aufgeteilt. Aus drei Klassen wurden vier Klassen. Die Klassengröße war vor allem im praxisorientierten Bildungsgang sehr überschaubar (ca. 13 Schülerinnen und Schüler). Mit ca. 20 Kindern pro Klasse können wir auch im mittleren Bildungsgang durchaus von kleinen Lerngruppen sprechen, in denen eine individuelle Förderung aller Kinder im Unterricht durch verschiedene Differenzierungsmaßnahmen und Kompetenzfeststellungsverfahren möglich ist. Die Rolle des Lehrers ändert sich an unserer Mittelstufenschule: Ein Lehrer ist nicht mehr allein Wissensvermittler, sondern wird zum Lernbegleiter der Schüler. Dadurch kann eine bessere und individuelle Förderung erzielt werden. Die Kinder lernen nicht im „Gleichschritt“, stattdessen ermöglichen verschiedene Lernwege die bestmögliche Entwicklung der Kinder. Dabei spielen andere Lernmethoden und Lerntechniken eine große Rolle: Werkstattarbeit, Wochenplan- oder Arbeitsplanarbeit oder Projektunterricht. Alle Methoden und Lerntechniken werden gezielt eingeführt, immer wieder angewendet und vertieft. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit einem schuleigenen Methodencurriculum, welches die Jahrgangsstufen 5 bis 10 umfasst und verbindlich ist. Seit 2017 ergänzt das Konzept „Lions Quest – Erwachsen werden“ unsere pädagogische Arbeit. Es wird vor allem in den Jahrgängen 5 – 8 eingesetzt, soll aber auch in den höheren Klassen immer wieder aufgegriffen werden. Im Mittelpunkt dieses Programms steht die Förderung der sozialen Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schülern. Diese werden durch verschiedene Bausteine und Übungen nachhaltig dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, Beziehungen aufzubauen, Konfliktsituationen im Alltag angemessen zu begegnen und konstruktive Lösungen für Probleme zu finden

Im Sommer 2016 haben die Klassen des praxisorientierten Bildungsgangs als erste Klassen der Mittelstufenschule an der FFS erfolgreich ihren Hauptschulabschluss erreicht. Ein Jahr später erreichten die Schülerinnen und Schüler des mittleren Bildungsgangs den Mittleren Abschluss. Der erste komplette Durchlauf eines Jahrgangs in der Mittelstufenschule hat uns gezeigt, dass die Umstellung eines Schulsystems Herausforderungen mit sich bringt. Diese konnten die Kinder/Jugendliche sowie das Kollegium gemeinsam meistern. Und der Weg hat sich gelohnt, da mehr Schülerinnen und Schüler den mittleren Abschluss geschafft haben als in der 5. Klasse mit Realschulempfehlung oder besser angemeldet wurden.

Was sagen Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse über die Mittelstufenschule? 

„Wir haben hier ein ganz tolles Klassenzimmer, das wir immer schön gestalten. Zurzeit arbeiten wir an Plakaten über unser Sonnensystem. Ich freue mich schon, wenn wir diese Plakate im Klassensaal aufhängen. Davor müssen wir unsere Ergebnisse aber noch unseren Klassenkameraden präsentieren und einen Kurzvortrag dazu halten.“

„Ich finde es gut, wenn wir gemeinsam Ausflüge machen. Wir waren zum Beispiel vor Weihnachten alle zusammen in der Eissporthalle. Bald machen wir eine Exkursion ins Planetarium.“

„Die Experimente in NaWi sind total spannend. Wir haben gerade mit Jodjodkalium Stärke in Kartoffeln und Kartoffelprodukten nachgewiesen. Das war echt interessant, wie sich der Knödel so verfärbt hat!“

„Der Klassenrat ist gut. Da besprechen wir Probleme und wir Schüler machen das. Die Lehrerin muss sich dann genau wie eine Schülerin melden, wenn sie etwas sagen will.“

Das Mittelstufenkonzept - HKM

Mittelstufenkonzept